Den Pokal in den Händen


Sie stehen vorne, die Arme um einander gelegt, den Atem angehalten. Arnstadt auf der einen Seite, Erfurt auf der anderen. Einige drücken die Daumen, andere kauen nervös auf der Unterlippe herum. Es ist wie bei einer dieser Castingshows – DSDS, Popstars, Germanys next Topmodel. Zwei Teams warten auf das Ergebnis, warten darauf, das Andreas Lipfert endlich verkündet, wer Thüringenmeister der Gemischten Mannschaften ist.
„Der zweite Platz bei den diesjährigen Thüringenmeisterschaften geht an die Gemischte Mannschaft aus…“ - eine theatralische Pause, Herzklopfen, Spannung, nervöse Blicke – „…Arnstadt!“ Freudenschrei aus der Ecke Arnstadt, ungläubige Blicke unter den Erfurtern. „Was?“, fragt eine der jungen Schwimmerinnen erstaunt. Dann fällt sich die Mannschaft in die Arme, überrascht, freudentaumelnd, erleichtert. Die Goldmedaillen verzieren die Hälse der sechs Jungen und Mädchen wie Juwelen der Queen, der Glaspokal ist schwer und schwerlos zugleich wie in einem Traum. Doch bevor Toni Lippe, Lea Stertzing, Yannik Niebuhr, Elisa-Félice Hein, Martin Nußbaum und ich diesen unerwarteten Triumpf feiern können, mussten wir uns das oberste Treppchen erst hart erkämpfen.
Nachdem unsere Gemischte 1 aufgrund von Verletzungen und damit verbundener Unterbesetzung nicht starten konnte, rückten wir, die eigentlich nur als Gastmannschaft Erfahrungen sammeln sollten, nach. Wenn andere Samstag ihren Wochenschlaf nach holen, sitzen wir schon putzmunter und aufgeregt im Arnstädter Sport- und Freizeitbad am Wollmarkt. Draußen strahlt die Sonne vom Himmel, drinnen ist das Wasser nass und angenehm kühl. Ein perfekter Tag, der 21.5.2011. Die Veranstaltung wird eröffnet, lautstark verkünden die Mannschaften ihr Dasein, als sie verlesen werden. Außer einer: unsere Gemischte aus Erfurt. Erst als unsere Trainerin zu Andreas Lipfert vorhuscht, entdeckt er sein Fehler. Entschuldigend reißt er das Mikrofon wieder an sich und dann können auch wir uns mit Geschrei und Getöse bemerkbar machen. Jetzt kann der Wettkampf starten. Sechs Staffeln sind zu absolvieren: Flossen-, Tauch-, Klamotten-, Transport-, Leinen- und die Kombinierte Staffel. Bei der dritten Staffel holen wir ordentlich Zeit heraus. Während andere Mannschaften sich ihrer Kleider noch entledigen, sprinten unsere Schwimmer in Brust oder Kraul schon davon. Auch bei den darauffolgenden geben wir alles und vor allem unsere Jungs setzen glanzvolle Akzente. Nach allen sechs Staffeln gehen wir zufrieden zum Mittagessen, denn trotz unseres Durchschnittalters von 16 Jahren konnten wir uns gegen die anderen drei Konkurrenzmannschaften behaupten. Bei Nudeln mit Tomatensoßen stärken wir uns und sammeln noch einmal Kraft, bevor es auf den Parcours geht. An der Geschicklichkeitsstationen müssen wir neben Gleichgewicht auch Teamgeist beweisen, an den Erste-Hilfe-Stationen eine Schulklasse, die eine Vergiftung durch eine Pilzsuppe erlitten hat, versorgen, beruhigen und uns vor allem den Stress nicht anmerken lassen, sowie Volleyballspielern aus der Sonne holen und die gebrochenen Glieder ruhig stellen. Bei der wohl kompliziertesten EH-Station gilt es, schnell und zügig die Flammen eines brennenden „Menschen“ (dargestellt durch eine Puppe) zu ersticken. Außerdem muss dessen Grillfreund, der panisch versucht, das Feuer an seinem Freund zu löschen, beruhigt und die hässlichen Brandwunden an seinen beiden Armen behandelt werden. Doch nicht nur praktische Stationen nehmen uns in Anspruch. Im Multiple-Choice-Test müssen wir beweisen, wie es um unser theoretisches Wissen rund um Wasserrettung, Erste Hilfe und Gefahren im Wasser bestellt ist. Zum Schluss wird uns noch ein bisschen allgemeines Rot-Kreuz-Wissen abgefragt. Damit der Spaß jedoch nicht verloren geht, ist eine weitere Aufgabe, mit einem Rettungsschlauchboot von der einen Station zur nächsten über die flache Ilm zu schippern, was sich nicht immer als einfach erweist und auch wieder Teamgeist fordert. Aber wir gelangen trockenen Fußes wieder am Ufer an und keiner musste über Bord gehen, sodass wir alle gemeinsam die Siegerehrung erleben können.
Nach all den Strapazen beim Schwimmen und während des Parcours klingt der Wettkampftag bei Original Thüringer Bratwurst und Rostbrätel aus und die Sieger werden gekürt. Wir dürfen feiern. Am Morgen noch vergessen, setzten wir am Abend ein Ausrufezeichen und stemmen den Pokal glücklich in die Höhe.

Bis zum nächsten Mal, eure Sophia